Geschichte von Gückingen
Gückingen wir erstmals 1367 urkundlich erwähnt. In dem 1967 herausgebrachtem Buch „100 Jahre der Lahn-Kreis 1867-1967" schreibt Dr. Helmut Gänsinge vom Hauptstaatsarchiv Wiesbaden über Gückingen folgendes:
„Gückingen – ein Gräberfeld der Altstadtzeit konnte in einer Sandgrube der Gemeinde Gückingen aufgedeckt werden. Gückingen wird urkundlich zuerst 1367 genannt."
Auf dem Territorium der heutigen Ortsgemeinde Gückingen befand sich ein landwirtschaftliches Anwesen, dass zu dem auf der anderen Lahnseite ansässigen Kloster Dirrstein (heutiges Schloss Oranienstein) gehörte. Auf diesem Hof wurde im 13. Und 14. Jahrhundert in der Hauptsache Ackerbau, Viehzucht und auch Weinbau betrieben.
Wie entstand der Ortsname Gückingen? Es gibt sehr viele Schriften, die sich mit Personen, Orts- und Gemarkungsnamen beschäftigen. Vermutlich leitet sich der Name vom Personennamen Gugo ab, einem ortsansässigen Adligen dessen Name für die Siedlungsbezeichnung verwendet wurde.
An der Stelle des jetzigen Schlosses Oranienstein, auf der gegenüberliegenden Lahnseite der Ortsgemeinde Gückingen, befand sich früher das Benediktiner Kloster Dirrstein. Die genaue Zeit seiner Entstehung ist nicht bekannt, anzunehmen ist, dass dieses Kloster aber bereits vor 1165 bestanden hat. Das Kloster führte ursprünglich den Namen Dürrstein. Für diese Schreibweise spricht das Siegelbild des Klosters, dass ein männliches Skelett darstellt. Die gegenüberliegende Gückinger Höhe heißt heute noch der „Dürrsteiner Kopf". Die Felsplatte, auf der das Kloster stand, fiel ursprünglich nach allen Seiten steil ab. An der Stelle des jetzigen äußeren Schloß und Spielplatzes befand sich eine tiefe Schlucht, von der eine steile Treppe zum Klosterberg hinauf führte.
Das Kloster war reich begütert. Schon im 13. Jahrhundert besaß es Zinshöfe, Grundstücke, und Weingärten in mehr als 30 Städten und Dörfern in näheren und weiteren Umgebung. So wird in einer Urkunde aus dem Jahre 1420 auch ein Weingarten zu Gückingen erwähnt, dessen Wein angeblich sehr „schläfrig" machte. In das Kloster Dirrstein wurden nur adlige Jungfrauen aufgenommen, die bei ihrem Eintritt Zinshöfe und Grundstücke als Ausstattung mitbrachten, welche nach ihrem Tod dem Kloster als Eigentum verblieben. Dazu kamen fromme Stiftungen und Vermächtnisse anderer Art. Das Kloster besaß auch eine eigene Mühle, dass heute zu einer Reisegaststätte ausgebaute „Mühlchen". Der Klosterhof Sielhofen, dass jetzige Hofhaus und Wohnsitz des Dichters Fritz von Unruh, neben der Oraniensteiner Lahnbrücke gelegen, versorgte die Nonnen mit Nahrung und Kleidung und aus einem dort befindlichen 70 Fuß tiefen Ziehbrunnen wurde das Trinkwasser für das Stift gewonnen. Im Jahre 1564 trat das Kloster Dirrstein zur lutherischen und 1575 zur reformierten Kirche über. Den Nonnen wurde damit der Austritt aus dem Kloster und das Heiraten gestattet.
Der 30jährige Krieg (1618 – 1648) schlug dem Kloster schwere Wunden zu, von denen es sich nicht wieder erholen sollte. Die Güter waren verwüstet die Weinberge größtenteils zerstört, so auch die in Gückingen. Das Kloster selbst war nach mehrmaligen Plünderungen durch die Franzosen und Einäscherung durch die Schweden im Jahre 1634 zur Ruine geworden. Schon Ende des 16. Jahrhunderts hatte Graf Johann der ältere von Dillenburg das Kloster der neu gegründeten Hochschule zur Herborn zugewiesen. Von dieser kaufte die Fürstin Albertine von Nassau-Dietz die
Klosterruine und die zahlreichen dazugehörigen Höfe für nur 8.000 Reichstaler. Die Ruinen wurden abgetragen und 1676 wurde dort der Grundstein zu einem Schloß gelegt, dass die Fürstin, die aus dem Hause Oranien stammte, Oranienstein nannte.
Weinbau in Gückingen
Über den Weinbau in Gückingen, insbesondere über den Gückinger Rotwein (Gückinger Roten) wird in einigen Schriften unterschiedlich berichtet. Nach dem bereits im 13. Jahrhundert der Weinbau im heutigen Weinehr und in Daussenau urkundlich erwähnt werden, gibt es im 14. Jahrhundert für jeden Ort von Dietz bis zur Lahnmündung Urkunden über den Weinbau. Neben den Weinbergen in
den umliegenden Gemeinden war auch das Weingut Gückingen von großer Bedeutung
für die nassauische Landesherrschaft. Von Dietz an bis hinunter an den Rhein treffe man „ein ziemlich guten Wein an" heißt es im Dielhelmschen Antiquarius, aus dem 18. Jahrhundert. Der Emser Wein darin gerühmt.
Gelobt wird auch der Gückinger Rotwein gegenüber Oranienstein als ein hervorragendes Gewächs. „Dieser unterscheidet sich in der Farbe, in dem Geschmack und in der Stärke von allen Lahnweinen", schrieb 1786 Geheimrat Eberhard, ein geborener Dietzer. Rudolf Dietz schreibt in „Aus vergilbten Blättern" über den Gückinger Rotwein ähnliches und fügt hinzu: „Ich gedenke vor allem des
unvergleichlichen Gückinger roten Weines, der in Flaschen von Natur, wieder Champagner, müsiret, und sie oft gar mit großem Krachen wie ein Pistolenschuss, zersprengelt."
Der Geheimrat Eberhard schreibt ferner den hohen Alkohol des Gückinger Weines, der oft auch als „Schlaftrunk" verwendet wurde. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Gückinger Rotwein unter anderem auch an den englischen Hof exportiert. Auch viele deutsche Fürstenhäuser kannten den Gückinger und tranken ihn gern.
Mit dem Gückinger Wein war es aber dann bald vorbei. Denn in den 70er-Jahren des 18. Jahrhunderts war der Verfall des Lahnweinbaus im vollem Gang. In der Zehntordnung für das Amt Nassau von 1777 wird gerügt, dass viele Weinberge brach liegen wie bisher bebaute Weinberge mit Obstbäumen, vor allem Zwetschgenbäumen und Hülsenfrüchten bepflanzt würden. Missernten und Kriegsnöte am Ende des Jahrhunderts beschleunigten den Niedergang. In anderen Schriften wird auch von der Zerstörung der Weinberge durch Reblaus gesprochen.
Es dauerte Jahrzehnte bis sich die Region von den Folgen des 30jährigen Kriegs wieder erholte. Noch 1720, über 70ig Jahre später, zählte man in Gückingen nicht mehr als 10 bewohnte Häuser.
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